ITM: Neue Publikation zum Symposium »Kunst mit Street Credibility«
Im Februar 2025 fand als Kooperation des Staatstheaters Nürnberg mit dem Institut für Theater- und Medienwissenschaft das Symposium »Kunst mit Street Credibility« aus Anlass der Neuinszenierungen von »Märchen im Grand Hotel« und »Die Dreigroschenoper« statt. Die aus dem Symposium entstandene Publikation ist nun erschienen.
Aus dem Grußwort des Staatsintendanten Jens-Daniel Herzog:
»Das Anspruchsvolle populär machen und das Populäre anspruchsvoll« – das war ein Satz, mit dem wir vor einigen Jahren versucht haben, unsere Theaterarbeit zu beschreiben. Das klingt griffig und zustimmungsfähig, hat aber einige Voraussetzungen, die es in sich haben. Denn es gibt eine Grenze zwischen einer Theateraufführung, die ihre Zuschauerinnen und Zuschauer nur unterhalten und berieseln, sie in der Sicherheit von Kitsch, Stereotypen und gefahrloser Komik wiegen will, und einer, die an Fragen der menschlichen Existenz und unseres Zusammenlebens rührt und damit auch Widerstände provozieren kann. […] Umso dankbarer sind Theaterleute, wenn sie auf Stücke treffen, denen die Unentschiedenheit zwischen Ernst und Unterhaltung eingeschrieben ist, die große Themen mit leichter Hand behandeln. Das war unser Glück mit den intelligenten Operetten und Musiktheaterstücken »Märchen im Grand Hotel« und »Die Dreigroschenoper«, zwei Inszenierungen, die in der Spielzeit 2024/25 am Staatstheater Nürnberg zu großen Publikumserfolge wurden. Doch Stücke wie diese, die mit Witz, Ironie und Leichtigkeit interessante Figuren auf die Bühne stellen und an tiefere Fragen rühren, sind rar gesät. Warum das so ist und das Leichte den Autorinnen und Komponisten oft so schwerfällt, aber auch, wie es eben doch gelingen kann und noch viel öfter gelingen sollte, war das Thema des Symposiums »Kunst mit Street Credibility« in Zusammenarbeit zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Staatstheater Nürnberg.
Aus der Einleitung von Georg Holzer und Clemens Risi:
Dass das Staatstheater Nürnberg schon länger ein Faible für die Befragung des Grabens zwischen E(rnst) und U(nterhaltung) und ganz konkret für virtuose Überbrückungen hat, wird dem aufmerksamen Nürnberger Opernpublikum sicherlich nicht entgangen sein. Operette und Musical werden am Staatstheater Nürnberg ebenso ernst genommen, wie den vermeintlich gewichtigeren Exemplaren des Opernkanons immer auch eine Entertainment-Dimension abgewonnen wird. Exemplarisch stehen für diese Brückenschläge die Inszenierungen von »Märchen im Grand Hotel« und der »Dreigroschenoper«, mit denen sich das Symposium beschäftigt hat und dessen Ergebnisse mit diesem Band vorgelegt werden. […] Wie steht es um diese vor allem im deutschen Sprachraum verbreitete Einteilung von Kultur in einen E- und einen U-Bereich, um die Trennung zwischen Hochkultur und Populärkultur? Brauchen wir eine solche Polarisierung, um uns zu orientieren und uns in unseren kulturellen Vorlieben einzuordnen? Oder könnte es nicht viel spannender sein, ganz andere Einteilungskriterien zu finden, wie etwa die nach einerseits Dingen, die uns wichtig sind, die uns einer Auseinandersetzung wert sind und uns herausfordern, und andererseits Dingen, die uns nicht interessieren oder bestenfalls Zerstreuung bieten und nicht herausfordern? […] Dieser Herausforderung, die ästhetischen Gegenstände unter dieser Perspektive noch einmal neu zu befragen, hat sich das Symposium gestellt und dazu ausgewiesene Expert*innen genau für dieses Terrain dazwischen gewinnen können.
Inhaltsverzeichnis der Publikation:
- Nils Grosch: »Musikalische Dramaturgie und Song bei Kurt Weill und Paul Abraham: Strategien der Adressierung für ein anderes Publikum«
- Ethel Matala de Mazza: »Soldaten im Foxtrott. Brecht, Weill und die Tanzmoden der späten Zwanziger«
- Iris Dankemeyer: »Gute schlechte und schlechte gute Musik. Ernst und Unterhaltung bei Theodor W. Adorno«
- »Der Tanz von E und U über die Grenzen von Hochkultur und Populärkultur. Gespräch zu den Neuinszenierungen ›Märchen im Grand Hotel‹ und ›Die Dreigroschenoper‹« mit Nicolas Frederick Djuren, Wiebke Hetmanek, Georg Holzer und Veronika Loy. Moderation: Clemens Risi
Die Publikation ist an der Opernkasse sowie über den Webshop des Staatstheaters Nürnberg erhältlich.

