ITM: Henri Schoenmakers verstorben

Das Institut für Theater- und Medienwissenschaft trauert um seinen ehemaligen Leiter Prof. Dr. Henri Schoenmakers, der im August 2026 im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

Nach seinem Studium der Theaterwissenschaft, Niederlandistik, Anglistik und Buchwissenschaft, seiner Promotion und einer ersten Stelle an der Universität von Amsterdam war er von 1984-2000 an der Universität Utrecht tätig, zunächst als Professor und Leiter des Instituts für Theaterwissenschaft, seit 1998 als Direktor des Instituts für Medien und Re/Präsentation (Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Kommunikation- und Informationwissenschaft, Kulturpolitik und Management, Neue Medien, Gender Studies).
1995-1999 war Henri Schoenmakers Vize-Präsident der International Federation for Theatre Research und in dieser Funktion u.a. Mitorganisator der internationalen Konferenzen in Montreal, Tel Aviv, Puebla und Canterbury.
Im Jahr 2000 wurde er auf den neu eingerichteten Lehrstuhl und zum Leiter des Instituts für Theater- und Medienwissenschaft an die Friedrich-Alexander-Universität berufen.
In diese Jahre fielen zum einen die Ausweitung des Instituts um eine zweite Professur und zahlreiche interdisziplinäre Initiativen (wie die Mit-Begründung der Studiengänge Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel sowie des Interdisziplinären Zentrums für Ästhetische Bildung).
Im letzten Jahr seines Wirkens am ITM war er Mit-Veranstalter des Kongresses der Gesellschaft für Theaterwissenschaft »Theater und Medien«, den er an die FAU holte und damit Erlangen auf der Karte der theater- und medienwissenschaftlichen Standorte prominent sichtbar machte.
2008 verließ Henri Schoenmakers die FAU, um in den letzten Jahre seiner akademischen Tätigkeit an der Roosevelt Academy der Universität Utrecht zu wirken.

Henri Schoenmakers hat in seinen Jahren an der FAU mit vielen Kolleg:innen in- und außerhalb der Universität intensiv zusammengearbeitet. Für diesen Nachruf haben wir um Stimmen zu Henri Schoenmakers Wirken gebeten, die nachfolgend exemplarisch zu Wort kommen:

Henri Schoenmakers verkörperte das Rollenmodell des wahrhaft europäischen Theaterwissenschaftlers, war polyglott, war in mehreren europäischen Communities der Theaterwissenschaft gleichermaßen präsent. ⁠Das Erlanger ITM war ihm ans Herz gewachsen. Von allen Instituten, an denen er im Laufe seiner Karriere unterrichtete, war es ihm wohl das liebste. Für ihn realisierte sich hier in idealer Weise seine Vorstellung von Theaterwissenschaft: in großer Nähe zur Medienwissenschaft, mit Blick auf Theater, Radio und audiovisuelle Medien, sowie in Verbindung von Theorie und künstlerisch-medialer Praxis, vernetzt in der Region, offen für gesellschaftliche Kontexte aller Art. Er liebte es, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren, wohnte in zentralster Lage direkt am Schlossplatz. ⁠In der Lehre setzte er stark auf Eigeninitiative der Studierenden, verstand sich als Mentor, der den Studierenden dabei helfen wollte, in Wissenschaft und Praxis schon früh eigene Projekte zu realisieren. ⁠So sehr ihm Praxisbezüge für die universitäre Ausbildung wichtig waren, so viel Wert legte er zugleich auf methodische Strenge und Theorieorientierung. Besonders strebte er nach einer systematischen Öffnung der Theaterwissenschaft für soziologische und psychologische Perspektiven. Er war Mitbegründer und wichtiger Inspirator der Working Group »Theatrical Event« der International Federation for Theatre Research. Für ihn war diese Gruppe international wohl das wichtigste Forum des theoretischen Austauschs. Er half entscheidend dabei mit, das von ihm mitentwickelte Konzept des »Theatrical Event« international fest in der theaterwissenschaftlichen Forschung zu etablieren. Das Event-Konzept bedeutete für ihn, Produktion, Rezeption und gesellschaftliche Kontexte von Aufführungen gleichermaßen und in ihrem Zusammenhang mit anspruchsvoller Empirie zu untersuchen. Er hegte eine große Leidenschaft für das antike Theater und die griechische Tragödie – beides wichtig für seine persönliche (skeptische, ironische, aber unverzagte) Lebensauffassung. Er war Mitbegründer des ARC-NET (European Network of Research and Documentation of Performances of Ancient Greek Drama) und wirkte regelmäßig mit auf deren Sommerschule in Epidaurus – brachte auch immer wieder Erlanger Studierende dorthin. (Prof. Dr. Matthias Warstat, Freie Universität Berlin, davor 2008-2013 als Nachfolger von Henri Schoenmakers Inhaber des Lehrstuhls für Theater- und Medienwissenschaft der FAU)

Henri Schoenmakers war ein so netter, unkomplizierter, hilfreicher und kompetenter Kollege! Er hat entscheidend mitgewirkt an der Etablierung des Studiengangs Darstellendes Spiel in der Schule und den entsprechenden Publikationen; er war von Anfang an beteiligt am Interdisziplinären Zentrum Ästhetische Bildung mit Beiträgen in den Publikationen, die  im wesentlichen auf Ringvorlesungen beruhten; er war sowohl im Staatsexamen wie auch im Magister in den damaligen Kollegialprüfungen häufig als Prüfer beteiligt; Publikationen u.a. »Das Welttheater in der Schule – Die Schule im Theater der Welt« (2005); »Theaterwissenschaft und Darstellendes Spiel in der Schule« (2005); »Theater in der Schule. Der Traum von der Bildung zur Schönheit oder die Schönheit der Bildung als Traum« (mit André Studt, 2007); »Geplanter Zufall – Kontingenz und theatrale events« (2010). (Prof. Dr. Eckart Liebau, ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik II an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und ehemaliger Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelle Bildung)

Henri Schoenmakers war der Institutsleiter, als ich im Kulturamt die Abteilung und damit die Verantwortung für die Festivals übernommen habe. Er ist sehr freundschaftlich und auf Augenhöhe mit dem jungen Abteilungsleiter Bodo Birk umgegangen. Mit ihm hat die engere Zusammenarbeit zwischen dem Festival und dem Institut begonnen. Als er nicht mehr in Erlangen war, aber noch gelegentliche Verpflichtungen wahrnahm, hat er die so gelegt, dass er zum Figurentheater-Festival hier sein konnte. (Bodo Birk, Absolvent der Theater- und Medienwissenschaft, ab 2003 Festivalleitung Erlanger Poetenfest, internationales figuren.theater.festival Erlangen und Internationaler Comic-Salon Erlangen, seit 2014 als Leiter der Abteilung Festivals und Programme im Kulturamt der Stadt Erlangen und stellvertretender Amtsleiter.)

Das Institut für Theater- und Medienwissenschaft wird Henri Schoenmakers und seinem Oeuvre stets ein ehrendes Andenken bewahren.