Die Geisha war eine populäre Figur in den Künsten der westlichen Moderne, da sie Weiblichkeit im »anmutigen« Gewand der Fremdheit verkörperte. Das exotistische Stereotyp war zunächst gezeichnet durch die Verbindung von Pose, Performance und Rollenzuschreibung. Mit dem Auftreten japanischer Tänzerinnen auf europäischen Bühnen erhielt dieses Bild Risse und widersprüchliche Züge. Die Brüche und Verzerrungen verweisen auf ein transformatives Potential, das in den Re-figurationen und Re-readings der »Geisha« als Kunstfigur cross-kultureller Übertragungen und ihrer gender-Performances Ausdruck findet. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bilden sich weitere Darstellungen – wie die Punk-Geisha oder die hybriden Butoh-Performances – heraus, die nun vom Geist der Rebellion geprägt sind. Wie lassen sich solche »re-readings« von Stereotypen kolonialer Verflechtungen und Machtstrukturen im Kontext queerfeministischer Aktionskunst verstehen?
Termin: Dienstag, 30. Juni 2026, 16-18 Uhr (Beginn c.t., im Rahmen der Ringvorlesung Forschungsperspektiven)
Ort: Großer Hörsaal, Bismarckstraße 1a, 91054 Erlangen
Prof. Dr. Dr. h.c. Gabriele Brandstetter wurde 2003 ans Institut für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin berufen, wo sie den ersten Masterstudiengang für Tanzwissenschaft an einer deutschen Universität aufbaute. Sie promovierte 1984 in München, habilitierte 1993 an der Universität Bayreuth und erhielt die Lehrbefugnis in den Fächern Neuere deutsche Literatur und Theaterwissenschaft. Im gleichen Jahr wurde sie ans Institut für Angewandte Theaterwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen berufen, 1997 wurde sie Ordinaria für Neuere deutsche Literaturwissenschaft am Deutschen Seminar der Universität Basel. Im Januar 2022 wurde Brandstetter, die einst in Erlangen ihr Studium begonnen hatte, die Ehrendoktorwürde unserer Fakultät verliehen.
Brandstetter wirkte an zahlreichen DFG-Forschungsprojekten mit, u.a. als Co-Direktorin des Internationalen Forschungs-Kollegs Verflechtungen von Theater-Kulturen. Sie ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Sie war eingeladen zu internationalen Gastprofessuren, u.a. in Melbourne, Tokyo, New York, Princeton, Tel Aviv, São Paulo.
Ihre Forschungen wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. der Aby Warburg-Stiftung Hamburg (1996), dem Kulturförderpreis der Alexander Clavel-Stiftung Riehen (1998). 2004 erhielt sie den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG, 2011 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2026 den Deutschen Tanzpreis.
Ihre Forschungsschwerpunkte gelten der Geschichte und Ästhetik von Tanz, Theater und Literatur vom 18. Jh. bis zur Gegenwart. Sie leitete DFG-Projekte zu Virtuosität in Kunst und Kultur, zur Beziehung von Körper, Bild und Bewegung. Im Excellenzcluster der FU Berlin zu Languages of Emotion untersuchte sie den Zusammenhang zwischen Berührung und Berührtsein, Emotion und Bewegung im Tanz. In ihren jüngeren Publikationen beschäftigt sie sich mit politischen und ästhetischen Untersuchungen zum Thema fragile Körper und »aging body in dance« sowie mit Fragen von Grenzüberschreitungen, Migration und Bewegung im öffentlichen Raum. Seit 2021 ist sie mit einem Projekt zu »Intervenierenden Choreographien« beteiligt am Sonderforschungsbereich 1512 der FU zu Intervenierende Künste.
Wichtigste Publikationen sind u.a.: Tanz-Lektüren – Körperbilder und Raumfiguren der Avantgarde, 1995 / 2013 (2. erw. Auflage); englisch: Poetics of Dance (2015); Moving (Across) Borders. Performing Translation, Intervention, Participation (2017). Zuletzt erschien ihr Buch zu Darstellung und Wahrnehmung von Zeit im Tanz, ZEITgestalten (Nomos 2024), sowie – als Bewegungsdialog mit der Tänzerin Anna Huber – das Buch Tanz sehen – Fragen zur choreographischen Praxis (Schwabe 2025).
